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Ergebnisbericht einer Praxisstudie zur Wirksamkeit von Krankengymnastik




Zusammenfassung:

Die krankengymnastische Behandlungsmethode hat einen festen Stellenwert in der Therapie von Wirbelsäulenabweichungen und Erlangung von Schmerzfreiheit. Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass eine Frühbehandlung bei geringen Seitabweichungen und möglichst jungen Patienten effektiv ist.

Material und Methode:
Aus 100 zufällig ausgewählten Patientenakten ab Geburtsjahr 1970 mit folgenden Diagnosen:
- Skoliose und skoliotische Fehlhaltungen
- Juvenile Osteochondrose
wurde das notwendige Datenmaterial entnommen, das Aufschluss geben sollte über die Wirksamkeit krankengymnastischer Übungsbehandlung. Als Bewertungskriterium wurden der Korrekturwinkel der Skoliose bzw. Fehlhaltung, der Beobachtungs- bzw. Behandlungs-zeitraum und Schmerzfreiheit zu Grunde gelegt sowie die Anzahl der krankengymnastischen Anwendungen.

Auswertungsergebnisse:
Durchschnittliche Altersverteilung der ausgewerteten 78 Patientenakten:
Weiblich: 18,9 Jahre (von 8 bis 28 Jahre)
Männlich: 17,4 Jahre ( von 6 bis 29 Jahre)
Die festgestellten Bereiche der Wirbelsäulenabweichungen innerhalb der Patietengruppe sind in Abbildung 1 dargestellt.

Angaben in Grad Männlich36 Patienten Weiblich42 Patienten
Vor der Behandlung 6 Grad – 35 Grad 5 Grad – 30 Grad
Nach der Behandlung 0 Grad – 30 Grad 0 Grad – 21 Grad


Ergebnisse der Patientenaussagen:
(nur eindeutige Ergebnisse gewertet)

Männliche Patienten:
Krankengymnastik bringt deutliche Besserung nach durchschnittlich 2,8 KG-Rezepten á zehn Behandlungen bei 8 Patienten (Durchschnittsalter 15 Jahre)
Durchschnittlicher Verbesserungswinkel 4,6 Grad nach 6,4 KG-Rezepten á
Zehn Behandlungen bei 17 Patienten (Durchschnittsalter 20,5 Jahre)
Progredienzanteil: 5 % (1 Patient)

Weibliche Patienten:
Krankengymnastik bringt deutliche Besserung nach durchschnittlich 6,6 KG-Rezepten á zehn Behandlungen bei 5 Patienten (Durchschnittsalter 25 Jahre).Durchschnittlich Verbesserungs-winkel 2,5 Grad nach 9,4 KG-Rezepten á zehn Behandlungen bei 17 Patienten (Durchschnittsalter 20,8 Jahre) Progredienzanteil: 25 % (4 Patientinnen)

Ohne geschlechtsspezifische Trennung:
Durchschnittlicher Verbesserungswinkel 3,6 Grad nach 7,9 KG-Rezepten á zehn
Behandlungen bei 34 Patienten (Durchschnittsalter 20,7 Jahre) Progrediezanteil: 15 %

Osteochondrosen:
Bei den juvenilen Osteochondrosen ergaben sich keine auswertbaren Verbesserung der Kyphosewinkel, es konnte lediglich signifikant Schmerzfreiheit erreicht werden. Anzahl der Patienten: 22

Diskussion:
Auffällig ist eine Verbesserung der Wirbelsäulenseitabweichungswinkel durch krankengymnastische Übungsbehandlung. Männliche Patienten kommen tendenziell schneller zur Korrektur (Motivation?). Eine Schmerzfreiheit ließ sich immer erzielen. Die Behandlungsergebnisse zeigen, dass eine Frühbehandlung bei geringen Seitabweichungen und möglichst jungen Patienten affektiv ist. Die krankengymnastische Behandlungsmethode hat einen festen Stellenwert in der Therapie von Wirbelsäulenformabweichungen und Erlangung von Schmerzfreiheit. Voraussetzung ist jedoch ein längerer Behandlungszeitraum, z.T. im Intervall bis zum Wachstumsabschluss und eine gute Mitarbeit des Patienten (Motivation), sowie Weiterführung der häuslichen Übungsprogramme oder Durchführung alternativer körperlicher Aktivitäten (zwischen den Behandlungszyklen).


Anschrift des Verfassers:
Prof. Dr. med. C.-H. Siemsen, Facharzt für Orthopädie, spezielle Schmerztherapie, Sportmedizin, Westfleth 1, D-21614 Buxtehude


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